EnergieGeflüster
Rückblick: Energiestammtisch vom 23. Februar 2026
2. März 2026
Als zentrale Herausforderung und Chance für die Versorgungssicherheit standen zu Beginn die Begriffe „Dunkelflaute“ und "Hellbrise“ im Fokus.
Dunkelflauten, Phasen mit sehr geringer Wind- und Solarstromerzeugung, treten konkret im Netzgebiet der MITNETZ STROM etwa 270-mal jährlich auf, durchschnittlich 7 Stunden lang. In dieser Zeit muss rund ein Fünftel des gesamten Jahres-Energiebezugs aus dem vorgelagerten Netz, meist aus fossilen Kraftwerken, bezogen werden.
Hellbrisen hingegen, also Zeiten mit Stromüberschuss aus erneuerbaren Energien, führen zur Rückspeisung ins vorgelagerte Netz. Das kommt mehr als 300-mal jährlich vor. Im Winter dauern Hellbrisen wegen starker Windproduktion oft länger, im Sommer sind sie durch die Mittagsspitzen der Solaranlagen kürzer.
Zur Sicherung der Netzstabilität, erklärte Udo Stöckel weiter in seinem Vortrag, setzt man auf die digitalen Ortsnetzstationen (digiONS), die einen messtechnischen Einblick und eine bessere Steuerbarkeit des Netzes ermöglichen. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit einer nationalen Kraftwerks- und Speicherstrategie betont, um Versorgungslücken infolge des Kohle- und Erdgasausstiegs zu schließen und die Versorgungssicherheit nachhaltig zu garantieren.
In Freiberg läuft die Netzmodernisierung bereits: Alte Trafostationen, zum Beispiel am Maßschacht und an der Oberschule, werden durch moderne digiONS ersetzt, neue Netzkapazitäten wie die 800 kVA-Anlage an der „Ehernen Schlange“ geschaffen und Ladeanschlüsse für Elektromobilität etwa an der ARAL-Tankstelle Leipziger Straße sowie bei Netto und Edeka eingerichtet.
Insgesamt zeigt sich, dass die Energiewende eine Transformation vom reinen Versorgungsnetz hin zu einem intelligenten, dezentralen „Smart Grid“ erfordert, dass sowohl die Spitzen der Hellbrise als auch die Täler der Dunkelflaute sicher ausgleichen kann.
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