Freiberg aktuell

Knut Neumann

15. Januar 2020

Glück auf! Glück auf! Der Steiger kommt, und er hat sein helles Licht bei der Nacht… im Interview mit Knut Neumann

Bergmännischer Brauchtum wird in unserer Silberstadt groß geschrieben. Kaum ein Berufsstand hat seit seinem Bestehen so viele Traditionen, Besonderheiten und so viel Eigenständigkeit hervorgebracht, wie die Bergleute des Erzgebirges. Auch heute werden diese bergmännischen Traditionen mit ihren kulturellen und geschichtlichen Werten weitergeführt. Wir haben mit Knut Neumann über eben diese Traditionen gesprochen. Der Experte hat für seine Arbeit im Jahr 2017 die Sächsische Verfassungsmedaille erhalten und wurde auch von der Stadt Freiberg mit einem Eintrag ins Goldene Buch geehrt. 

Herr Neumann, seit wann beschäftigen Sie sich mit der bergmännischen Geschichte Freibergs und was hat Sie dazu bewogen?
Das erste Mal im Freiberger Bergarchiv war ich im Jahr 1981 und im gleichen Jahr bin ich in die Fachgruppe Montanarchäologie (heute Bergbaugeschichte) eingetreten. Das Interesse an der Geschichte wurde durch meinen Lehrer für Heimatkunde, Emil Schewe in Brand-Erbisdorf und durch meinen Opa, Hans Schreiter geweckt.

Wie lange gibt es die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft schon?
Gegründet wurde unsere Parade im Jahr 1986 in Vorbereitung des Jubiläums 800 Jahre Freiberg. Mit Unterstützung des damaligen Bergbau- und Hüttenkombinates „Albert Funk“ konnte eine Parade mit zirka 300 Teilnehmern aufgebaut werden. Im Jahr 1990 erfolgte dann der Eintrag als Verein „Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V.“.

Wie viele Mitglieder zählt der Verein und was sind seine Besonderheiten?
Unser Verein hat 431 Mitglieder, dabei sind 130 Fördermitglieder, die mit ihrem Beitrag unsere Vereinsarbeit unterstützen. Bekannt ist unser Verein in Freiberg durch die vielen Paraden und anderen öffentlichen Auftritte. Weniger bekannt ist, dass wir auch intern aktiv in Fachgruppen arbeiten. Die gesamte Vereinsarbeit wird durch einen 13-köpfigen Vorstand organisiert.

Welche Aufgaben begleiten Ihr Amt als Vorsitzender der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft?
Das ist ganz einfach, Leitung des Vorstandes, Vertretung des Vereins  nach außen und mit dem Vorstand dafür sorgen, dass immer Bewegung im Verein ist. 

Wie pflegen Sie die bergmännische Tradition und wie gewinnen Sie Nachwuchs für Ihren Verein?
Seit unserer Gründung versuchen wir nicht nur in unseren Uniformen durch die Bergstädte zu marschieren, wir sehen berg- und hüttenmännische Traditionspflege viel weiter gefächert. Mitglieder unseres Vereins forschen und geben ihren gewonnen Ergebnisse in Vorträgen oder gedruckter Form weiter. Zu Fachabenden bilden sich Vereinsmitglieder weiter. Zum monatlichen Stammtisch treffen wir uns nicht nur in gemütlicher Runde, sondern informieren unsere Mitglieder über aktuelle Themen. Besondere Jubiläen, vor allem im Freiberger Land, versuchen wir mit Aktivitäten zu würdigen. So machten wir in diesem Jahr mit einem kleinen Aufzug auf den 200. Todestag des ehemaligen Freiberg Oberberghauptmanns Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra aufmerksam und feierten mit der TU Bergakademie Freiberg den 250. Geburtstag ihres bekanntesten Studenten, Alexander von Humboldt, mit einer ganz besonderen Parade. In der Nachwuchsarbeit sind wir auf einem ganz guten Weg— 30 Mitglieder hat unsere Kinder- und Jugendgruppe. Ehemalige Mitglieder dieser Fachgruppe gehören heute als Erwachsene zu den Uniformträgern und monatliche Treffen bringen dem Nachwuchs die Traditionen unserer Region näher.

Welche alljährlichen Höhepunkte außer der Bergparade zum Bergstadtfest und Christmarkt gibt es noch?
Zu unserer Vereinsarbeit gehört die Teilnahme an Aufzügen und Paraden bei befreundeten Vereinen in der Montanregion Erzgebirge. So sind wir in der Weihnachtszeit in Brand-Erbisdorf, Seiffen, Annaberg-Buchholz, Aue oder Schneeberg dabei. Wir nahmen schon oft am „Tag der Sachsen“ teil, marschierten zum Bergfest in Pobershau und auch die Gäste zum Deutschen Bergmannstag sahen uns im Bergaufzug. In unserer Heimatstadt gestalten unsere Jüngsten den Märchenzug mit, wir umrahmen die Eröffnung der Eisbahn, das Bockbierfest, gestalteten den Bergmeisterpokal und wir unterstützen die Saxonia-freiberg-Stiftung, die Stadt sowie andere Institutionen und Betriebe bei Veranstaltungen. Wir stellen aber auch unseren Verein, die Geschichte des sächsischen Montanwesens oder die Entwicklung der Uniform der Berg- und Hüttenleute zu Veranstaltungen vor.

Das Steigerlied ist die Hymne der Bergleute schlechthin. Sorgt dieses auch bei Ihnen noch für Gänsehautmomente?
Da wir das Steigerlied nicht nur als Hymne der Berg-und Hüttenleute, sondern in der in Freiberg gespielten und gesungenen Form auch als unser Freiberger Lied sehen, kann man es nicht oft genug hören und natürlich immer mitsingen. Wenn man dann auf der Bühne des Obermarktes steht und sieht, das fast alle Gäste mitsingen, ist dies immer ein besonders Erlebnis.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Vereins?
Das unser Verein in dieser Form noch viele Jahrzehnte zum Stadtbild unserer Silberstadt gehört und mit seinen Aktivitäten in Freiberg und außerhalb auf montane Traditionen des Erzgebirges, die Stadtgeschichte und auf die Bedeutung der Berg- und Hüttenparaden hinweist und damit auch neue Gäste auf unsere Region aufmerksam macht.  

www.hfbhk.de

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